Stop Orwell 2020

gegen permanente Überwachung! Unschuldsvermutung bewahren! - against permanent surveillance! preserve presumption of innocence!

Neue Bezahlsysteme und im Internet einkaufen

In diesem Artikel geht es um drei Projekte die sich mit Bezahlsystemen und Einkaufen im realen und digitalen Raum beschäftigen. Es handelt sich um die Projekte "odis", "PAYPLUG LABS" und "OPE", die durch Horizont 2020 mitfinanziert werden.

Schneller bezahlen, mehr Konsum, mehr Wachstum

Unter diese Formel könnte man die folgenden Projekte, odis, PAYPLUG LABS und OPE betrachten. Alle drei Projekte befinden sich bereits in der 2. Phase und sind eng mit der Digitalen Agenda der EU-Kommission verbunden. Wir stellen hier die Projekte kurz, mit einigen kritischen Anmerkungen, vor. Dabei handelt es sich nicht um eine umfangreiche Analyse sondern vielmehr um einen ersten flüchtigen Blick.

Das Thema bargeldloses bezahlen wird in Zukunft eine noch größere Rolle spielen als bisher schon. Ebenso gibt es die bisher von Politikern selten erwähnte Intention den Bargeldverkehr mehr und mehr einzuschränken, weil sich dieses im Gegensatz zum Giralgeld weniger gut Rückverfolgen lässt. Als letzten einleitenden Hinweis möchten wir auf unsere Broschüre vom Juni 2015 aufmerksam machen die einige Folgen die durch Finanzverfolgung auftreten darstellt.


odis - Ensygnia Onescan Market Disruptive Technology

Übersetzt könnte die Überschrift Ensygnias Onescan durchschlagende Markttechnologie heißen. Laut Eigenbeschreibung der Firma Ensygnia, soll es sich bei ihrem Produkt Onescan um ein Bezahlsystem, Bezahldienst handeln, das mit dem Mobiltelefon (Smartphone), sowohl im Laden als auch online, Bezahlvorgänge ermöglichen soll.

Ensygnia is the company behind the breakthrough Onescan secure mobile transaction platform and its patented process for the confidential exchange of personal and financial information.

Die Vertreter der EASME scheinen in dem Projekt odis eine Doppelfunktion zusehen, zum einen die Technik des Bezahlen und zum zweiten erhofft man sich vermutlich durch die scheinbar vereinfachte Bezahlung einen generellen Umsatzsprung im Handels- und Dienstleistungsgewerbe. Onescan soll EU-weit zum Einsatz kommen.

An dieser Stelle weisen wir darauf hin, das es sich bei Onescan um eine Software handelt die proprietär ist. Gerade da wo es um Vertrauen geht, gilt es als anerkannte Regel der Technik, das Software zumindest als Open Source Software (OSS) ausgelegt werden sollte. Besser wäre natürlich wenn Onescan gar als Free Libre Open Source Software (FLOSS) ausgelegt würde. Die Förderung proprietärer Software steht im Widerspruch des allgemeinen gesellschaftlichen Tendenz, die hin zu Quelloffener- und Freier Software geht. Außerdem widerspricht diese Subventionierung der Forderung des EU-Parlaments an "die Kommission und die Mitgliedstaaten, Softwareprojekte zu fördern, deren Quelltext offengelegt wird, da nur so garantiert werden kann, dass keine „backdoors“ eingebaut sind (sog. „open-source Software“)".2

Wir von Stop Orwell 2020 fordern das Software und Softwareprojekte die mit öffentlichen Mitteln gefördert werden, unter einer Freien Lizenz gestellt werden.

Ein weiter Kritikpunkt ist, dass das Geschäftsmodell einer Top-Down-Strategie folgt. So ist geplant in den bevölkerungsreichen Ländern, Spanien, Deutschland und Frankreich, große Handelsketten für ihr ePay-System zu gewinnen um ein "eco-system of consumers", vielleicht übersetzbar mit Konsumentenhabitat, zu schaffen. Falls die Einführung des Bezahlsystem erfolgreich wäre und es eine kritische Masse von Nutzern dieser Applikation (APP) gibt, werden sich ähnlich Phänomene wie bei Facebook und Google herausstellen. Ein zentralisierter Dienst in privaten Händen, der quasimonopolistisch agieren könnte. Das hätte auf drei Gruppen fatale Auswirkungen.

  1. Gewählte Regierungen, hätte große Schwierigkeiten Regularien durchzusetzen.
  2. Der Handel, müsste die Bedingungen die Ensygnia Diktiert ohne alternative Aktzeptieren wenn sie weiter bestehen wollen.
  3. Der Konsument, der Verbraucher, wäre in einem Ecosystem eingeschlossen und könnte sich dem schwer bis gar nicht entziehen.

Fakten:

Projekt Akronym: odis
EU Beitrag: 7.334.545 €
Projektdauer: vom Sonntag, 04. Januar 2015 bis zum Sonntag 10. Januar 2016
Call-ID: H2020-SMEINST-2-2014
Anspruchberechtigt: ENSYGNIA LTD
Phase: 2

Links:


PAYPLUG LABS - Next generation online payments and fraud detection API for European SMEs

PAYPLUG LABS will eine Bezahl-API (englisch application programming interface, wörtlich‚ Anwendungs­programmier­schnittstelle) erstellen, die mithilfe "moderner statistischer Algorithmen und maschinelles Lernen" unterschwelligen Betrugsversuche unterbinden soll. Dabei will sie den REST-Standart verwenden.

Es erscheint nicht ganz klar woran PAYPLUG LABS arbeitet. In der Projektbeschreibung findet sich zahlreiches Formulierungen die aus irgendeiner beliebigen Werbebroschüre entnommen sein könnten, wie z.B. 'Lücke schließen' oder 'Lösung' oder 'Die Firma wurde von einem talentierten Managementteam zusammengestellt…'. Die 2012 gegründete Firma mit Sitz in Paris bietet derzeit Bezahlplugins für verschiendene CMS an. Vermutlich werden die Subventionsgelder für die Herstellung und Verbesserung der bereits vorhandenen Plugins verbraucht.

Fakten:

Projekt Akronym: PAYPLUG LABS
EU Beitrag: 1.760.588 €
Projektdauer: von Dienstag, 06. Januar 2015 bis 06. Januar 2017
Call-ID: H2020-SMEINST-2-2014
Anspruchberechtigt: PayPlug
Phase: 2

Links:


OPE - Open Payments Eco-system

Bei OPE soll es sich um ein Bezahlsystem handeln das primär von Banken und Finanzdienstleistern entwickelt werden soll. Die Finanzdienstleister wollen untereinander einen Standard entwickeln, der von Unternehmen die Bezahlapplikationen schreiben, schneller, leichter und vor allem billiger zu implementieren ist. Laut Eigenaussage ist die Universität von Malta mit involviert.

Das OPE wird u.a. wegen zweier Wirtschaftsprognosen entwickelt die ein Wachstum von PrePaid-Bezahlsystemen voraussagen. Zum einen einen handelt es sich um den Bericht der Visa Europe Services Inc. von 2011 und zum anderen um Ergebnissen die das Konsortium auf der PSE-Consultung-Konferenz gesammelt hat.

Wir schließen uns dem Hinweis an den u.a. Nils Bohr schon weitergab: "Vorhersagen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen."

Fakten:

Projekt Akronym: OPE - Open Payments Eco-system
EU Beitrag: 2.914.041 €
Projektdauer: von Montag, 05. Januar 2015 bis Donnerstag 05. Januar 2017
Call-ID: H2020-SMEINST-2-2014
Anspruchberechtigt: Ixaris Systems Limited
Phase: 2

Links


Zusammenfassung von "Neue Bezahlsysteme und im Internet einkaufen"

Man kann konstatieren, das die Europäische-Kommission über den Dreisprung; Das schnelleres und einfacheres bezahlen zu mehr Umsatz in Unternehmen und somit zu ansteigenden wirtschaftlichen Wachstum führt, neue Formen des Geldverkehrs prüfen und entwickeln lässt. Alle drei Projekte werden von oben herab mit Unternehmerischen und gewinnorientierten Antrieb gestaltet. Peer-to-Peer Lösungen wie z.B. Bitcoin oder Taler werden nicht erwähnt, ebenso Regionalgeldkonzepte die im deutschsprachigen Raum vorhanden sind, werden von der EU-Kommsission nicht erwähnt.

Der gemeine Trend geht mehr in Richtung Dezentralität, die EU geht jedoch, mit den drei Forschungsprojekten "odis", "PAYPLUG LABS" und "OPE" den genau entgegensetzen Weg, hin zu größerer privater Zentralisierung und hin zu unregulierten Finanzdienstleistungen die unter dem Dogma "Wachstum" stehen.

Die Bestrebungen lassen den Schluss zu, das Bargeld bald gänzlich nicht nur obsolet, sondern geradezu seinen Wert als Zahlungsmittel einbüßen wird. Bezahlt werden soll in Zukunft mit den Smartphone, oder anderen vernetzten Geräten. Der Eindruck verfestigt sich das jeglicher Geldverkehr der irgendwie anonym ist, unterbunden werden soll.

Zahlungen und Kaufverhalten sollen gefördert werden.

Ein abschließendes Detail noch. Die Fördersummen die die Projekte bekommen scheinen sich offensichtlich nicht nur aus den Topf des EASME zusammenzusetzen, denn laut EASME gibt es für Phase 2 eine Obergrenze von 2,5 Mio. Euro pro Projekt.


  1. http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do? (Zugriff am 28.05.2013)
  2. http://www.europarl.europa.eu/ (Zugriff am 09.09.2015)

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Flyer

Unser Informationsflyer zum download als PDF. (3 MB, Stand Mai 2013)